Deutschlandwetter im September 2018

Pressemeldung des DWD vom 28.09.2018

Zunächst wieder heiß, trocken und sonnig, dann Stürme und Abkühlung

 

Offenbach, 28. September 2018 – Der sehr heiße und außergewöhnlich lang anhaltende Sommer 2018 gab sich erst im letzten Septemberdrittel nach schweren Herbststürmen geschlagen. Doch zuvor sorgte nochmals eine ganze Reihe weiterer Hochdruckgebiete in den ersten beiden Monatsdekaden für große Hitze, viel Sonnenschein und die Fortdauer der extremen Dürre. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

 

Nach Hochsommerwetter folgt im letzten Septemberdrittel abrupte Abkühlung
Im September lag der Temperaturdurchschnitt mit 15,1 Grad Celsius (°C) um 1,8 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung nach oben 1,6 Grad. Das mit nur wenigen kurzen Unterbrechungen seit Mitte April anhaltende hochsommerliche Wetter setzte sich zunächst auch im September fort. Deutschland war häufig im Zustrom sehr warmer Luftmassen und erlebte einen Höhepunkt am 18., als der ehemalige Hurrikan „ex-Helene“ auf seiner Vorderseite heiße Luft bis weit in den Norden Deutschlands transportierte. Selbst Hamburg und einige Orte in Schleswig-Holstein verzeichneten dabei über 30 °C. An mehreren Stationen wurden Septemberrekorde gebrochen. Am höchsten stieg das Quecksilber mit je 33,1 °C in Köln-Wahn und in Pabstorf bei Magdeburg. Zu Beginn des letzten Septemberdrittels ging die hochsommerliche Witterung jäh zu Ende. Die Tageshöchstwerte erreichten zeitweise verbreitet kaum noch 15 °C und nachts traten vor allem im Südosten Deutschlands die ersten Fröste auf: So meldete Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge am 26. nur -4,1°C.

Sturmtiefs bringen endlich den lang ersehnten Regen
Mit rund 45 Litern pro Quadratmeter (l/m²) fehlten auch dem September erneut etwa 28 Prozent des vieljährigen Durchschnittswertes von 61 l/m². Vereinzelte Gewitter – wie beispielsweise am 6. in Calw, südlich von Pforzheim, mit einer Niederschlagssumme von 67,7 l/m² – konnten die große Dürre der ersten beiden Monatsdekaden nur örtlich etwas lindern. Nach wie vor zeigte sich Deutschland staubtrocken. Die Pegel einiger Flüsse sanken auf Rekordniveau und viele Laubwälder sahen aus wie sonst Anfang November. Erneut kam es zu zahlreichen Wald- und Flächenbränden, z. B. am 3. bei Meppen oder am 19. in der Nähe von Offenbach. Erst die Tiefdruckgebiete „Elena“ am 21. und „Fabienne“ am 23., die tlw. mit Orkanböen über Deutschland hinwegfegten, beendeten in fast allen Gebieten die Trockenheit. Den bundesweit wenigsten Regen erhielt der äußerste Nordosten mit gebietsweise unter 15 l/m², den meisten der unmittelbare Alpenrand und der Vogelsberg, örtlich waren es dort mehr als 150 l/m².

September 2018 unter den fünf sonnenscheinreichsten seit Messbeginn
Das Sonnenscheinsoll von 149 Stunden wurde mit rund 205 Stunden um etwa 38 Prozent übertroffen. Damit gehört der September 2018 zu den fünf sonnigsten seit dem Beginn solcher Messungen im Jahr 1951. Am längsten zeigte sich die Sonne im Südwesten, mit bis zu 250 Stunden. Dort gab es einige neue Monatsrekorde. Am wenigsten schien die Sonne in Schleswig-Holstein - örtlich waren es dort kaum 140 Stunden.

Das Wetter in den Bundesländern im September 2018
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)

Schleswig-Holstein und Hamburg: Schleswig-Holstein verzeichnete 14,8 °C (13,2 °C), knapp 50 l/m² (75 l/m²) und war mit gut 165 Stunden (143 Stunden) das sonnenscheinärmste Bundesland. Hamburg meldete 15,6 °C (13,7 °C), war mit rund 15 l/m² (68 l/m²) das trockenste und mit etwa 170 Stunden (139 Stunden) das zweitsonnenscheinärmste Bundesland. Am 18. traten selbst hoch im Norden Deutschlands noch heiße Tage auf: Lübeck meldete 30,0 °C und Hamburg-Neuwiedenthal sogar 31,7 °C. Im Hamburger Hafen fiel während des Sturms am 21. ein Container auf einen Lastwagen, dessen Fahrer erst eine Stunde später befreit werden konnte.

Niedersachsen und Bremen: Niedersachsen erreichte im September 15,2 °C (13,5 °C), rund 35 l/m² (60 l/m²) und war mit fast 190 Stunden (135 Stunden) ein relativ sonnenarmes Bundesland. Für Bremen notierte der DWD 15,5 °C (13,7 °C) etwa 40 l/m² (61 l/m²) und rund 195 Sonnenstunden (136 Stunden). Am 3. geriet bei einer Schießübung der Bundeswehr das Hochmoorgebiet „Tinner und Staverner Dose“ bei Meppen in Brand. Das Feuer war sogar auf Satellitenbildern zu sehen. Nienburg meldete 32,8 °C am 18. des Monats. Bei Oyten, östlich von Bremen, fuhr am 21. ein Regionalzug in einen durch den Sturm umgestürzten Baum. Ein Passagier wurde schwer verletzt.

Mecklenburg-Vorpommern: In Mecklenburg-Vorpommern kam die Temperatur auf durchschnittlich 15,5 °C (13,3 °C). In dem mit nur rund 20 l/m² (51 l/m²) zweittrockensten Bundesland schien die Sonne etwa 195 Stunden (154 Stunden).

Brandenburg und Berlin: Mit 16,1 °C (13,8 °C) war Brandenburg das zweitwärmste Bundesland. Der Niederschlag summierte sich auf gut 25 l/m² (45 l/m²) und der Sonnenschein auf fast 200 Stunden (156 Stunden). Berlin war mit 16,6 °C (14,1 °C) das wärmste und mit kaum 25 l/m² (46 l/m²) ein trockenes Bundesland. Die Sonne schien rund 190 Stunden (156 Stunden). Am Nachmittag des 21. kam es im Raum Berlin innerhalb weniger Minuten zu einem Temperatursturz von rund 10 Grad. So meldete um 17 Uhr Berlin-Schönefeld noch 27,6 °C, in Tegel waren es bereits nur noch 16,5 °C.

Sachsen-Anhalt: Mit durchschnittlich 15,8 °C (13,7 °C) zählte Sachsen-Anhalt zu den wärmeren Gebieten. Die Niederschlagsmenge betrug etwa 35 l/m² (42 l/m²) und die Sonnenscheindauer rund 195 Stunden (144 Stunden). Pabstorf, westlich von Magdeburg, war im September neben Köln-Wahn der bundesweit heißeste Ort: Am 18. stieg das Quecksilber dort auf 33,1 °C. Am 12. lag das Maximum in Quedlinburg bei 29, anderntags nur noch bei 14 °C. In Bernburg an der Saale konnte man am 21. den 111. Tag mit über 25 Grad in diesem Jahr zählen. Zwischen Wernigerode und Schierke warf der Sturm des Tiefs „Elena“ am 21. eine Fichte auf ein Auto. Die Fahrerin hatte Glück, dass nur die Frontscheibe eingedrückt wurde.

Sachsen: Für Sachsen notierte man 15,3 °C (13,4 °C), knapp 45 l/m² (55 l/m²) und gut 195 Sonnenstunden (148 Stunden). Am 18. lag das Minimum in Sohland an der Spree bei 6 °C, 15 km weiter nördlich, in Kubschütz dagegen bei 20 °C. Die bundesweit tiefste Temperatur meldete Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge am 26. mit -4,1 °C.

Thüringen: Thüringen war im September 2018 mit 14,6 °C (12,8 °C) das zweitkälteste und mit mehr als 55 l/m² das einzige Bundesland, das sein Niederschlagssoll (51 l/m²) für den Monat erfüllte. Die Sonne schien knapp 195 Stunden (143 Stunden).

Nordrhein-Westfalen: Die Meteorologen registrierten für Nordrhein-Westfalen 15,0 °C (13,7 °C), etwa 40 l/m² (67 l/m²) und rund 190 Sonnenstunden (135 Stunden). Der Flughafen Köln-Wahn meldete im September neben Pabstorf in Sachsen-Anhalt die bundesweit höchste Temperatur: Am 18. stieg sie dort auf 33,1 °C. In der Nacht zum 21. sank das Quecksilber in Geilenkirchen, nördlich von Aachen, nicht unter 21,5 °C.

Hessen: Hessen gehörte im September mit 14,7 °C (13,2 °C) zu den vergleichsweise kühlen und mit fast 50 l/m² (57 l/m²) zu den eher nassen Bundesländern. Die Sonne schien mehr als 200 Stunden (142 Stunden). Am Nachmittag des 6. fielen auf dem Hoherodskopf im Vogelsberg 70,5 l/m². Ein Waldbrand auf einer Fläche von 100.000 m² nördlich der A3 bei Offenbach löste am Nachmittag des 19. einen Großeinsatz von mehreren Feuerwehren aus. Die Orkanböen von „Fabienne“ trafen am 23. vor allem Südhessen. In Weiterstadt bei Darmstadt flog das Dach eines Supermarktes weg.

Rheinland-Pfalz: Rheinland-Pfalz erreichte im September 15,1 °C (13,5 °C), etwa 45 l/m² (60 l/m²) und war mit über 215 Stunden (151 Stunden) ein sonnenscheinreiches Bundesland. Orkantief „Fabienne“ tobte besonders in Rheinhessen und der Pfalz. In Mommenheim, südlich von Mainz, fiel ein Kran auf einen Neubau.

Saarland: Das Saarland kam auf 15,0 °C (13,7 °C), rund 30 l/m² (70 l/m²) und war mit beinahe 235 Stunden (158 Stunden) das zweitsonnenscheinreichste Bundesland.

Baden-Württemberg: Baden-Württemberg verzeichnete 15,1 °C (13,3 °C), gut 40 l/m² (70 l/m²) und war mit etwa 235 Stunden (166 Stunden) das sonnigste Bundesland. In Calw, südlich von Pforzheim, fielen am Abend des 6. bei einem Gewitter 67,7 l/m². Sturmtief „Fabienne“ sorgte am 23. in Konstanz für Böen bis 148,7 km/h. In Epfenbach, östlich von Heidelberg, traf eine umstürzende Buche ein Auto und verletzte dabei ein Kind lebensgefährlich.

Bayern: Bayern zeigte sich mit 14,5 °C (12,8 °C) als das kühlste und mit knapp 65 l/m² (72 l/m²) als das nasseste Bundesland. Die Sonne schien knapp 220 Stunden (160 Stunden). Bei Durchzug des Orkantiefs „Fabienne“ am 23. registrierte man in Würzburg Böen bis 136,8 km/h. In Großostheim bei Aschaffenburg wurde das Dach der Bachgauhalle abgedeckt. In Stadelschwarzach, östlich von Würzburg, riss der Orkan die Kirchturmspitze ab. In Ebrach bei Bamberg erschlug ein Baum eine Frau.

Alle in dieser Pressemitteilung genannten Monatswerte sind vorläufige Werte. Die für die letzten zwei Tage des Monats verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss standen nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur Verfügung.

Hinweis:
Die bundesweiten Spitzenreiter bei Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer finden Sie jeweils am zweiten Tag des Folgemonats als „Thema des Tages“ unter www.dwd.de.