Deutschlandwetter im Herbst 2018

Pressemeldung des DWD vom 29.11.2018

Rekordherbst mit viel Wärme und Sonnenschein – und erneut zu trocken

 

Offenbach, 29. November 2018 - Bis weit in den Herbst hinein setzte sich die deutlich zu warme, viel zu trockene und überaus sonnenscheinreiche Witterung fort. So folgten dem heißen Spätsommer im September ein ausgeprägter Altweibersommer und ein goldener Oktober sowie ein markanter Martinsommer im November. Kältere oder feuchtere Abschnitte blieben selten und waren nur kurz. So kam es vielerorts auch zu neuen Herbstrekorden. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

 

Ausgesprochen warm bis in den November – dann gebietsweise mäßiger Frost
Mit 10,4 Grad Celsius (°C) lag der Temperaturdurchschnitt im Herbst um 1,6 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung nach oben 1,4 Grad. Der Temperaturverlauf folgte scheinbar einem Muster: Zur Monatsmitte herrschten ausgeprägte Wärmeperioden, zum Ende des Monats wurde es kühler. So war der bundesweit heißeste Herbsttag der 18. September, mit je 33,1 °C in Pabstorf, bei Magdeburg, sowie in Köln-Wahn, wo der bisherige Höchstwert aus dem Jahre 2013 übertroffen wurde. Bis Mitte Oktober konnte man bei Spitzenwerten von 29 °C vielerorts nochmals eine ganze Reihe von Sommertagen zählen und selbst in den ersten beiden Novemberwochen kletterte das Quecksilber häufig über die Marke von 20 °C. Den bundesweit tiefsten Wert meldete Dippoldiswalde-Reinberg am 28. November mit -10,3 °C.

Rekord-Trockenheit setzt sich auch im Herbst weiter fort
Der Herbst 2018 erreichte mit gut 95 Litern pro Quadratmeter (l/m²) lediglich 51 Prozent seines Solls von 183 l/m². Nur in den Jahren 1953, 1959 und 1908 war der Herbst mit 84, 91 und 95 l/m² noch trockener. Schaut man sich aber Sommer und Herbst zusammen an, so war es seit Beginn regelmäßiger Messungen 1881 noch nie zuvor so lange so trocken: Über die gesamte Fläche Deutschlands gemittelt fielen von Juni bis November 2018 lediglich etwa 225 Liter auf jeden Quadratmeter. Im Vergleich mit früheren Jahren folgt erst weit dahinter das Jahr 1911 mit 268 l/m². In Sachsen-Anhalt kamen teilweise sogar nur rund 90 l/m² zustande. Im Herbst waren die Gebiete nördlich von Berlin mit örtlich weniger als 40 l/m² am trockensten. Bundesweit purzelten reihenweise Stationsrekorde. Begonnen hatte die Trockenheit bereits mit dem Februar. Die zuletzt extreme Dürre spiegelte sich eindrucksvoll im Niedrigwasser von Flüssen und Seen, die oft Rekordpegelstände erreichten. „Fabienne“ war am 23. September eines der wenigen Tiefdruckgebiete, das im Herbst den Weg nach Mitteleuropa fand. Aber sein Niederschlagsgebiet konnte den allgemeinen Wassermangel nicht lindern.

Zweitsonnigster Herbst seit Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1951
Der Herbst 2018 kam mit rund 440 Stunden auf 141 Prozent seines Solls von 311 Stunden und war damit der zweitsonnigste seit Beginn von Messungen. Es kam an vielen Messstellen des DWD zu neuen Rekorden. Im Herbst zeigte sich die Sonne im Südwesten mit gebietsweise über 520 Stunden am längsten. Relativ wenig Sonnenschein erhielt Schleswig-Holstein mit örtlich unter 340 Stunden. Insgesamt schien auch im Halbjahr Sommer/Herbst nie zuvor die Sonne häufiger.

Das Wetter in den Bundesländern im Herbst 2018
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)

Schleswig-Holstein und Hamburg: Schleswig-Holstein kam auf 10,6 °C (9,2 °C), war mit gut 115 l/m² (232 l/m²) das zweitniederschlagsreichste und mit rund 370 Stunden (292 Stunden) das sonnenscheinärmste Bundesland. Hamburg war mit 11,0 °C (9,6 °C) ein warmes Bundesland. Mit etwa 70 l/m² erreichte es nur 37 Prozent seines Niederschlagssolls (195 l/m²) und mit rund 380 Stunden (285 Stunden) gehörte es im Herbst 2018 zu den Bundesländern mit nicht ganz so viel Sonnenschein.

Niedersachsen und Bremen: In Niedersachsen lag die Temperatur bei 10,7 °C (9,3 °C), der Niederschlag bei rund 85 l/m² (182 l/m²) und der Sonnenschein bei gut 410 Stunden (284 Stunden). Mit 11,2 °C (9,6 °C) war Bremen im Herbst 2018 das wärmste Bundesland. Die Niederschlagsmenge betrug knapp 105 l/m² (186 l/m²) und die Sonnenscheindauer etwa 415 Stunden (282 Stunden).

Mecklenburg-Vorpommern: Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete 10,6 °C (9,0 °C), gehörte mit rund 65 l/m² (145 l/m²) zu den trockenen Bundesländern und die Sonne zeigte sich fast 425 Stunden (312 Stunden).

Brandenburg und Berlin: Der DWD ermittelte für Brandenburg eine Temperatur von 10,7 °C (9,2 °C). Mit knapp 60 l/m² (127 l/m²) war es das zweittrockenste Bundesland bei einer Sonnenscheindauer von etwa 445 Stunden (316 Stunden). Berlin war im Herbst 2018 mit 11,0 °C (9,5 °C) das zweitwärmste und mit kaum 55 l/m² (128 l/m²) das insgesamt niederschlagsärmste Bundesland. Die Sonne schien gut 435 Stunden (315 Stunden). Aufgrund der Trockenheit war der Wassernachschub der Spree in Berlin so gering, dass sich ihre Fließrichtung an manchen Tagen umkehrte. Viele Messstellen meldeten neue Rekorde bezüglich Trockenheit und Sonnenscheindauer.

Sachsen-Anhalt: Für Sachsen-Anhalt registrierten die DWD-Experten im Herbst 2018 10,7 °C (9,2 °C), etwa 65 l/m² (120 l/m²) und abgerundet 420 Sonnenstunden (299 Stunden). Am 18. September meldete Pabstorf, westlich von Magdeburg, 33,1 °C und war damit im Herbst neben Köln-Wahn der wärmste Ort Deutschlands. Viele Messstellen meldeten neue Rekorde bezüglich Trockenheit und Sonnenscheindauer.

Sachsen: Im Herbst kam Sachsen auf 10,4 °C (8,8 °C), rund 90 l/m² (155 l/m²) und fast 435 Sonnenstunden (319 Stunden). Die bundesweit tiefste Temperatur des Herbstes meldete am 28. November Dippoldiswalde-Reinberg, nahe Dresden, mit -10,3 °C. Viele Messstellen meldeten neue Rekorde bezüglich Trockenheit und Sonnenscheindauer.

Thüringen: Thüringen war im Herbst 2018 mit 9,8 °C (8,2 °C) das zweitkühlste Bundesland. Die Niederschlagsmenge betrug rund 95 l/m² (155 l/m²). Obwohl es mit annähernd 395 Stunden etwa 131 Prozent des Solls (299 Stunden) erreichte, gehörte Thüringen zu den vergleichsweise sonnenscheinarmen Bundesländern. In Olbersleben, nahe Weimar, kletterte das Quecksilber am 12. November nochmals bis auf 21,3 °C. Viele Messstellen meldeten neue Rekorde bezüglich Trockenheit und Sonnenscheindauer.

Nordrhein-Westfalen: Im Herbst 2018 gehörte Nordrhein-Westfalen mit 10,8 °C (9,5 °C) zu den warmen Bundesländern. Die DWD-Experten errechneten eine Niederschlagsmenge von rund 95 l/m² (208 l/m²) und eine Sonnenscheindauer von etwa 425 Stunden (294 Stunden). Am 18. September meldete Köln-Wahn, ebenso wie Pabstorf in Sachsen-Anhalt, 33,1 °C und damit die bundesweit höchste Temperatur im Herbst. Für Köln-Wahn war dies ein neuer Rekord. Im Oktober gab es nochmal reichlich Tage mit einem Maximum über 25 °C, sog. Sommertage: Sieben wurden für Düsseldorf und Waltrop-Abdinghof, nördlich von Dortmund und Tönisvorst, gezählt.

Hessen: In Hessen lag die mittlere Temperatur bei 10,2 °C (8,6 °C), der Niederschlag bei gut 90 l/m² (188 l/m²) und der Sonnenschein mit über 420 Stunden bei 148 Prozent seines Solls (285 Stunden). Der DWD registrierte zahlreiche neue Rekorde. Am 23. September fegte das Sturmtief „Fabienne“ über Südhessen hinweg und verursachte besonders im Raum Darmstadt enorme Schäden.

Rheinland-Pfalz: Im Herbst 2018 registrierten die Wetterexperten für Rheinland-Pfalz 10,6 °C (8,9 °C) und etwa 100 l/m² (199 l/m²). Der Sonnenschein erreichte mit rund 465 Stunden 150 Prozent des Solls (308 Stunden). Viele Stationen meldeten neue Rekorde. Das extreme Niedrigwasser des Rheins machte es möglich, dass der Mäuseturm auf seiner Flussinsel bei Bingen trockenen Fußes zu erreichen war.

Saarland: Das Saarland gehörte im Herbst 2018 mit 10,9 °C (9,2 °C) zu den warmen und mit knapp 115 l/m² (241 l/m²) zu den vergleichsweise feuchteren Bundesländern. Mit über 490 Stunden, das sind 155 Prozent des Solls (317 Stunden) war das Saarland das insgesamt sonnigste Bundesland. Viele Messstellen meldeten neue Rekorde bezüglich Trockenheit und Sonnenscheindauer.

Baden-Württemberg: Hier lag die Herbst-Temperatur bei 10,1 °C (8,5 °C). In Baden-Württemberg war der Herbst 2018 mit rund 100 l/m² (220 l/m²) der trockenste seit Messbeginn 1881. Mit etwa 485 Stunden (344 Stunden) war es das zweitsonnigste Bundesland. Viele neue Stationsrekorde beim Niederschlag und Sonnenschein.

Bayern: Im Herbst präsentierte sich Bayern mit 9,7 °C (7,9 °C) als das insgesamt kühlste, mit fast 125 l/m² (204 l/m²) als das niederschlagsreichste und mit etwa 465 Stunden (335 Stunden) als ein sehr sonnenscheinreiches Bundesland. An zahlreichen Stationen wurden die alten Sonnenscheinrekorde überboten. Am 23. September wütete das Sturmtief „Fabienne“ vor allem auch in Franken. Es forderte riesige Schäden und sogar ein Todesopfer. In Bischofswiesen-Loipl, nordwestlich von Berchtesgaden, fielen am 24. Oktober innerhalb 24 Stunden 72,5 l/m². Dies war damit die bundesweit höchste Tagessumme. Am 6. November kletterte das Quecksilber in Rosenheim auf 24,2 °C und erreichte damit beinahe nochmal einen „Sommertag“.

Alle in dieser Pressemitteilung genannten Monatswerte sind vorläufige Werte. Die für die letzten zwei Tage des Monats verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss standen nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur Verfügung.

Hinweis:
Die bundesweiten Spitzenreiter bei Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer finden Sie jeweils am zweiten Tag des Folgemonats als „Thema des Tages“ unter www.dwd.de.